$ – die talfahrt des talers

kaum eine währung prägte die weltwirtschaft so sehr wie der us-dollar, doch seine vormachtstellung erodiert seit jahrzehnten in kleinen, aber stetigen schritten. ein wichtiger bruch geschah bereits 1971, als die usa die golddeckung des dollars aufhoben und die währung fortan allein auf vertrauen beruhte.

seither sinkt sein anteil an den weltweiten devisenreserven schrittweise, ohne dass euro oder yen davon profitieren – stattdessen bauen zentralbanken zunehmend ihre goldbestände wieder aus. für ein baldiges sterben (lies: unwichtigwerden) des dollars sprechen strukturelle sorgen wie die hohe us-staatsverschuldung und die damit verbundenen exorbitanten zinslasten – dagegen spricht, dass eine echte alternative (in der alten denkweise) fehlt, da der euroraum politisch fragmentiert und china rechtsstaatlich zu unsicher bleibt. wirkliche alternativen bieten nur noch staatenunabhängige kryptowährungen – neuerdings gibt es auch edelmetallgedeckte wie tehter gold (xaut).

vom thaler zum dollar

weitaus unbestrittener – und darum geht’s in diesem artikel – ist die herkunft des wortes dollar selbst, die weit vor die gründung der vereinigten staaten zurückreicht und ins böhmische erzgebirge des frühen 16. jahrhunderts führt. dort, in der bergbaustadt joachimsthal (dem heutigen jáchymov (karte) in tschechien), wurde ab 1520 aus reichen lokalen silbervorkommen eine große, gewichtige münze geprägt, die zunächst joachimsthaler guldengroschen und bald verkürzt schlicht joachimsthaler hieß. er hatte ein raugewicht von 29,23 gramm (also knapp einer unze), davon waren 15/16 silber.

der joachimsthaler

der name verbreitete sich rasant über weite teile europas, da diese silbermünzen als besonders zuverlässig und wertstabil galten und in unzähligen ländern nachgeahmt wurden – man sprach bald verallgemeinernd nur noch vom thaler. über die niederländische form daalder und die skandinavischen varianten daler gelangte der begriff schließlich mit händlern und seefahrern in die englischsprachige welt und nach nordamerika, wo er sich zum dollar wandelte. (die deutsche orthografie verzichtet ab 1903 weitgehend auf th-schreibung zugunsten eines einfachen t – ausgenommen sind namen).

als die jungen vereinigten staaten 1785 eine eigene währung benötigten, griff man bewusst auf diesen bereits international vertrauten und respektierten namen zurück, obwohl die neue münze mit dem böhmischen silbertaler außer dem namen und einem ähnlichen silbergehalt nichts mehr gemein hatte.

der strich durch das s ($)

ähnlich verschlungen, wenn auch nicht abschließend geklärt, ist die geschichte des dollarzeichens, des senkrecht durchstrichenen buchstabens s. die am weitesten verbreitete erklärung führt es auf den spanischen peso bzw. piaster zurück, der als spanish dollar im kolonialen amerika weit verbreitet und wegen seines verlässlichen silbergehalts eine art inoffizielle handelswährung war – selbst die junge amerikanische wirtschaft rechnete lange in pesos statt in pfund.

in spanischen und später amerikanischen handelsbüchern wurde die abkürzung Ps für pesos verwendet; im laufe der zeit wurde das s zunehmend über das p geschrieben, bis die beiden buchstaben zu einem einzigen symbol verschmolzen, bei dem vom p nur noch der senkrechte strich übrig blieb. das s entstammt demnach dem pluralmarker.

vom ps zum dollarzeichen

eine konkurrierende, deutlich weniger anerkannte theorie sieht den ursprung stattdessen in den säulen des herkules auf dem spanischen wappen, die auf münzen mit einem band umwickelt dargestellt waren und optisch an ein dollarzeichen erinnern. eine weitere, etwas plump hinterherrationalisierende theorie lässt glauben, dass die zwei striche urprünglich ein u waren (u und s für united states).

unbelegte theorie: herkulessäulen

wissenschaftlich besser belegt ist jedoch die ps-theorie, für die handschriftliche dokumente aus den 1770er jahren als belege existieren.

ob mit einem oder zwei senkrechten strichen geschrieben, bleibt bis heute reine schriftarttradition ohne einheitliche regel. so verbindet der dollar eine jahrhundertealte, europäische namensgeschichte mit einem vermutlich spanisch-amerikanischen symbol – und einer gegenwart, in der seine globale rolle zunehmend zur debatte steht.

das dollarzeichen diente fortan andern «brüdern» als vorbild: auch euro (€), yen (¥), pfund (£ – von lateinisch libra) und nicht zuletzt bitcoin (₿) sowie viele weitere währungen tragen doppelstriche – oder, je nach schriftart, aus optischem platzmangel, auch nur einen einfachen.

beim euro ist die bedeutung offiziell erklärt: die beiden geraden striche sollen laut europäischer kommission die stabilität der währung symbolisieren. das ist natürlich offensichtlich marketing-blabla; auch mit dem euro geht’s kontinuierlich nach unten, je mehr ungedecktes geld man druckt. \\

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