japan

teil 1. anbei eine auswahl an logos aus japan. in fachkreisen ist relativ unbestritten, dass die grafische handwerk japans zu den weltweit besten gehört (ich würde behaupten: die japaner sind die besten).

die kalligrafie (wörtlich «schönschreiben»), welche alle japaner während der schulzeitt genossen haben, tut klar wirkung. sinn für ästhetik ist fest in der dna japans verbaut.

chinesische schriftzeichen (kanji) sind eigentlich, was heute als emoji wieder in die kommunikationskultur eindringt: piktogramme, reduzierte abbildungen von objekten oder ideen. auch unsere buchstaben leiten sich ursprünglich von piktogrammen ab. mit den emojis sind wir eigentlich wieder dort angelangt, ganz am anfang, wo die die schriftliche vermitttlung angefangen hat.

der japaner braucht nebst zwei stilbenalfabeten etwa 2000 verschiedene chinesische schriftzeichen im alltag (der chinese gar um 2500 bis 3500). die jahrhundertealte nähe zu bildzeichen, aus denen schliesslich ein großer teil der kunst hervorgegangen ist, zeigt sich in der modernsten form als manga (comics) und anime (zeichentrickfilme).

vor diesem hintergrund der kulturellen nähe zum bild wundert es nicht, dass auch logos fein abgestimmte werke sind. zwei elemente sind bei logos sehr typisch in japan: handschriftlichkeit und die kreisform.

der kreis ist die perfekte form im zweidiemensionalen raum. er ziert auch die landesflagge: ein roter kreis, der für die sonne steht.

das zweite immer wieder gesehene element ist die pinselhandschrift. damit will persönlichkeit und wärme zum ausdruck gebracht werden. im westen werden handschriften für logos eher vermieden (oder dann sind es generische, statische computerschriften, bei denen jeder buchstabe jedes mal genau gleich aussieht). der personal touch ist bei japanischen schildern jedoch ausdrücklich gewollt. da zeigt sich viel dynamik und echtheit – und nicht zuletzt respekt vor dem handwerk.

das element, das ebenfalls äußerst häufig gewählt wir, ist die blume. dieses motiv passt meist perfekt in einen kreis (oder wird entsprechend passend gemacht). mit blumen und bäumen im logos und wird die verbunden zur schöneheit der natur ausgedrückt.

logos, vor allem bei restaurants oder handwerksläden, sind zudem nicht auf steifen platten angebracht, sondern auf stofffahnen (jap. noren), wo sie auch von wind und eintretenden gästen bewegt werden und dynamik, nicht statik, präsentieren. animierte logos (heute digital hergestellt) sind also nicht wirklich eine erfindung der neustzeit.

hier nun eine auswahl an «rundlogos»:

1 · rikichan, ein japan-spezialitäten-restaurant (kette)

2 · wabiya korekido, kyoto
3 · ein handwerkladen in der stadt takayama
4 · familien-wappen (hier:watanabe-familie) sind logos wie alle andern auch …
5 · ein restaurant in kyoto
6 · kleiderverleih (v.a. kimonos für touristen) in kyoto mit moderner umsetzung von schriftzeichen
7 · katsumi in takayama:. hier gibts ramen-nudeln
8 · nakatani – genialität der einfachheit eines logos

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dies gesehen – und das gedacht

«das leben ist nicht perfekt, aber dein haarschnitt kann es sein» (markierungen durch blogautor).

ja, genau, denkt da der typograf und der korrektor.

der englische typesetter würde passend sagen: “dear hairdresser, apostrophes are curly!”

also hier nochmals für alle:
so: ’
und nicht so: ′
das zweite ist eine prime, auch als minutenzeichen oder fußzeichen (maßeinheit, aka inch) – und daneben auch als deppenaprostoph – bekannt.

dasselbe gilt für die anführungszeichen:
so: “ ” (englisch) bzw. „ “ (deutsch)
aber nicht so: ″ ″
das letztere ist ein zoll- oder sekundenzeichen, auch doppelprime genannt.

ergo: 5′ 10″ = 5 minuten und 10 sekunden bzw. 5 fuß und 10 zoll.

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knappes budget für orthografie

in der schweiz ist es (immer noch) gebräuchlich, umlaute am anfang von wörtern in ae, oe, ue aufzuschüsseln. auch ortsnamen starten häufig ohne die eigentlichen buchstaben ä, ö und ü – und sind gar so offizialisiert worden: aesch, aegerten, aeugst, oerlikon, oey, oensingen, oetwil, uetendorf, uerkheim, ueken, uetliberg, uesslingen, uetikon, uerikon … um nur ein paar muster zu nennen.

das kommt daher, dass auf der schweizer schreibmaschinentastatur drei sprachen untergebracht werden mussten: deutsch, französisch und italienisch. ß, Ä, Ö und Ü flogen raus – ç, é, à und è fanden dafür ihr plätzchen.

das fehlen dieser zeichen auf der schreibmaschine hat den typografischen sprachgebrauch in der eidgenossenschaft stark geformt. das ist auch der grund, wieso bis heute auf scharf-s (ß, auch esszett genannt) komplett verzichtet wird.

im schreibmaschinenzeitalter waren die zeichen limitiert; 43 tasten für zahlen und buchstaben erlaubten – mit der umschalttaste (= shift oder auch hochstelltaste) – gerade mal 86 charaktere. sogar die zahlen 0 und 1 waren nicht vorhanden: man verwendete damals stattdessen die kleinbuchstaben o und l. wirklich!

erst die einführung des computers brachte neue tastaturen mit sich. diese hatten nebst neuen steuertasten (control, alt, escape, command) mindestens fünf tasten für mehr, die mit zeichen belegt werden konnten.

die schweizer computertastatur hatte zwar jetzt null und eins (wäre doch ironisch, wenn bei einem computer 0 und 1 fehlen würden), aber die belegung der kleiner-finger-rechts-tasten, öäü, blieb unverändert. bis zum heutigen tag «komponiert» man in der schweiz die großen umlaute mit drücken von trema (¨) und anschließendem majuskel – was den meisten am-computer-schreibenden bis heute kaum bekannt ist. (auch ß muss man nach wie vor mit einer tastenkombi rauslocken, z. b. mit alt+s auf apple.)

trotzdem ist die korrekte typografische schreibung langsam ins bewusstsein übergeschwappt. mindestens auf ämtern, die straßennamen vergeben und verwalten. das beispiel unten zeigt das exemplarisch. hier wurden die zeichen A und e entfernt und mit einem frischen Ä überklebt. halbperfekter perfektionismus. scheinbar reichte das budget nicht aus, um gerade das ganze ins alter gekommene straßenschild auszuwechseln.


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ein paar logos aus new york

anbei ein paar logos aus new york. war eher enttäuscht, was ich so zu gesicht bekam. scheinbar ist man in amerika immer noch der meinung, das rezept für ein gelungenes logo bestünde aus 1) einer möglichst fetten schrift in 2) versalien mit einer 3) auffälligen farbe. anbei eine auswahl (logos weichen nur teilweise von oben erwähnter anleitung ab).

wok to walk.
wok to walk. ein asien-take-away.

dos toros.
dos toros. den stier bei den hörnern gepackt.

smoke shop.
smoke shop. feuer und rauch.

kesté.
kesté.

doma.
doma na rohu. ein restaurant. bedeutet etwa soviel wie «zuhause an der ecke» (tschechisch).

eataly.
eataly. name gut, rest banal.

stone & tiles.
stone & tiles. noch von hand gemalt. 

sabi sushi.
sabi sushi. ein gericht würde man in japan nie mit ins essen gesteckten stäbchen servieren – bzw. nur einem toten.

the cinnamon snail.
the cinnamon snail. weniger gut lesbar. und wo ist die schnecke?

ribalta mo’.
ribalta mo’. eine pizzeria. was sich der grafiker hier gedacht hat, erschließt sich mir nicht. eine chilischote neben einer pizza?

new york kimchi.
new york kimchi. hot chilis beim koreaner.

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